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Die Kerwe

Eine Strohpuppe eröffnet das Fest, eine Reimrede nimmt das Dorf aufs Korn — und am Ende wird die Puppe verbrannt.

Strichzeichnung: geschmückter Kerwebaum mit Kranz und Bändern

Was ist die Kerwe?

Die Kerwe ist die pfälzische Kirchweih — das Fest zum Jahrestag der Weihe der Dorfkirche. Gefeiert wird es seit dem Mittelalter, und zwar in jedem Ort zu seinem eigenen Termin.

Das ist der erste Punkt, den Auswärtige unterschätzen: Es gibt nicht die Kerwe. Es gibt so viele Kerwen wie Dörfer, und sie liegen über das Jahr verteilt. Wer in der Pfalz unterwegs ist, trifft fast immer irgendwo auf eine.

Vom Kirchlichen ist dabei meist nur der Anlass übrig. Was bleibt, ist ein Dorffest mit Festbaum, Musik, Essen — und einem Ablauf, den jeder im Ort auswendig kennt.

Warum heißt es Kerwe und nicht Kirmes?

Weil beides dasselbe Fest meint und die Grenze quer durch Deutschland läuft. Alle Namen gehen auf die Kirchweihe zurück, nur hat sich jede Region ihre eigene Kurzform abgeschliffen.

Sprachforscher haben für diese Verteilung sogar einen Namen: den Kirmes-Äquator, die Linie, an der die Bezeichnungen kippen. Die Pfalz liegt eindeutig auf der Kerwe-Seite.

Der Termin folgte ursprünglich dem Weihetag der jeweiligen Kirche. In Bayern wurde er nach 1866 zentral auf den dritten Sonntag im Oktober gelegt — durchgesetzt hat sich das nicht überall.

Was ist die Kerweschlumpel?

Eine Strohpuppe in Frauenkleidern — und die Hauptfigur des Festes. Mit ihrem feierlichen Einzug wird die Kerwe eröffnet.

Danach wird sie von den Kerweborscht, den jungen Männern des Ortes, umworben: Man tanzt mit ihr und nimmt sie mit aufs Karussell. Sie ist Gast, Maskottchen und Zielscheibe zugleich.

Am Ende des Festes wird sie verbrannt — begleitet von einer spöttischen Grabrede, gehalten vom Kerwepfarrer. Das Fest beerdigt sich also selbst, mit Ansage und vor Publikum.

Der Brauch ist in der Kurpfalz und den umliegenden Gemeinden bis heute ungebrochen verbreitet. Wer wissen will, warum Kurpfalz und Pfalz nicht dasselbe sind: Das steht auf der Seite zur Pfalz.

Was ist die Kerweredd?

Die Rede zur Eröffnung — in Reimen, im Dialekt, und auf Kosten des Dorfes. Sie nimmt das Ortsgeschehen des vergangenen Jahres aufs Korn: Wer was gebaut, gekauft oder verbockt hat, kommt vor.

Gehalten wird sie vom Kerweredner, auch Kerwepfarrer oder Kerwekönig genannt — traditionell aus der Dorfjugend. Früher sprachen ausschließlich Männer, inzwischen auch Frauen.

Zur Form gehört die erhöhte Position: Der Redner steht oft auf einer Leiter, damit ihn alle sehen. Vorher zieht meist ein Festzug durch den Ort, und die Rede fällt mit dem Aufstellen des Kerwestraußes oder des Kerwebaums zusammen.

Wie ernst das genommen wird, zeigt ein Detail aus Thaleischweiler: Dort gab es schon 1924 eine gedruckte Kerwezeitung, damit auch die Auswärtigen den Dorfklatsch nachlesen konnten.

Wer die Sprache dazu braucht: Die wichtigsten Wendungen stehen unter Deutsch ↔ Pfälzisch.

Kerwebaum und Straußbuwe

Im Mittelpunkt steht ein geschmückter Baum. Er wird aufgerichtet, er steht über das ganze Fest, und am Ende wird er wieder gefällt — der sichtbare Zeitmesser der Kerwe.

Ausgerichtet wird das Fest traditionell von den unverheirateten jungen Männern oder einem Verein. In der Pfalz und im Saarland heißen sie Straußbuwe — nach dem oft kunstvoll geschmückten Festbaum.

Dasselbe Wort begegnet einem hier ständig: Auch die Straußwirtschaft heißt nach einem ausgesteckten Strauß. Ein gebundener Zweigbusch als Zeichen — einmal, dass ausgeschenkt wird, einmal, dass gefeiert wird.

Wie groß kann eine Kerwe werden?

Die Deidesheimer Weinkerwe zog vor der Pandemie 180.000 bis 250.000 Menschen an — über zehn Tage hinweg. In ihrer heutigen Form wird sie seit 1972 gefeiert.

Der Ablauf zeigt das Muster im Großformat:

Zum Vergleich: Der Dürkheimer Wurstmarkt, das größte Weinfest der Welt, kam 2012 auf 685.000 Gäste. Die Kerwe in Deidesheim ist also kein Dorffest mehr — und doch nach demselben Bauplan gebaut wie jedes andere.

Kurz gefragt

Was bedeutet Kerwe?

Kerwe ist die pfälzische Kurzform von Kirchweih — dem Fest zum Jahrestag der Weihe der Dorfkirche.

Was ist der Unterschied zwischen Kerwe und Kirmes?

Keiner in der Sache, nur im Wort. Beide gehen auf die Kirchweihe zurück. Kerwe sagt man in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland, Kirmes in Nord- und Mitteldeutschland.

Was ist eine Kerweschlumpel?

Eine Strohpuppe in Frauenkleidern. Ihr Einzug eröffnet die Kerwe, am Ende des Festes wird sie unter einer spöttischen Grabrede verbrannt.

Wer sind die Kerweborscht?

Die jungen Männer des Ortes, die das Fest ausrichten. In der Pfalz und im Saarland heißen sie auch Straußbuwe, nach dem geschmückten Festbaum.

Wann ist Kerwe in der Pfalz?

Das hängt vom Ort ab — jede Gemeinde hat ihren eigenen Termin, ursprünglich den Weihetag ihrer Kirche. Die Deidesheimer Weinkerwe etwa liegt am zweiten und dritten Augustwochenende.

Was trinkt man auf der Kerwe?

In der Pfalz eine Weinschorle, im Dubbeglas.

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Kerwe ist genau die Lage, um die es uns geht: nicht wie viel Schorle, sondern wann und mit wem. Mehr auf der Startseite, mehr über die Region auf der Seite zur Pfalz.

Belege

Stand: September 2026. Kerwetermine sind örtlich und ändern sich — vor der Fahrt beim Veranstalter prüfen.