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Wein oder Saft, aufgegossen mit Sprudel. Anderswo ein Getränk unter vielen — in der Pfalz eine Haltung.
Eine Schorle ist ein Getränk aus Wein oder Fruchtsaft, aufgegossen mit kohlensäurehaltigem Wasser — üblicherweise etwa zu gleichen Teilen. Sie ist dadurch leichter und spritziger als das Ausgangsgetränk. Die beiden bekanntesten Varianten sind die Weinschorle und die Apfelschorle.
Das Prinzip ist simpel, die Wirkung nicht: Die Schorle streckt, was sonst schwer wäre. Ein halber Liter Wein wäre ein Statement — ein halber Liter Schorle ist ein Nachmittag. Genau deshalb ist sie in Weinregionen kein Kompromiss, sondern die Standardbestellung.
Verbreitet ist sie im gesamten deutschsprachigen Raum. Ihr Zentrum als Weinschorle hat sie in den Weinbaugebieten — allen voran in der Pfalz, dazu Rheinhessen, Franken, Baden und Württemberg. Getrunken wird sie dort auf dem Weinfest und in der Straußwirtschaft, dem eigenen Ausschank des Winzers.
Sauer bedeutet mit Mineralwasser, süß bedeutet mit Limonade. Wer in der Pfalz eine Weinschorle bestellt, sagt nicht „Weinschorle", sondern nennt diese eine Eigenschaft. Alles Weitere ergibt sich aus dem Ort.
Bestellt jemand nur „e Schorle" ohne Zusatz, ist in aller Regel die Weißweinschorle sauer gemeint — das ist die Grundform, von der aus alles andere eine Abweichung ist.
Die süße Variante mit Limonade gilt manchen als Anfängergetränk. Das ist Folklore, kein Gesetz: Beides wird ausgeschenkt, beides wird getrunken.
Beides ist richtig — es ist eine Frage der Region. Im größten Teil des deutschen Sprachraums sagt man die Schorle. In der Pfalz dagegen heißt es der Schorle, und das ist dort kein Fehler, sondern die gültige Form.
Wer in Neustadt oder Deidesheim „die Schorle" bestellt, bekommt sie trotzdem. Man hört aber, dass er nicht von hier ist.
Alles, was Saft oder Wein ist — plus Sprudelwasser. Das übliche Verhältnis liegt bei etwa 1:1; wer es leichter mag, nimmt mehr Wasser. Feste Regeln gibt es nicht, wohl aber Gewohnheiten.
Was eine Schorle nicht ist: Wein mit stillem Wasser. Ohne Kohlensäure fehlt der Schorle das, was sie ausmacht.
In Österreich heißt sie Gespritzter oder Spritzer. Der Begriff „Schorle" ist vor allem in Deutschland gebräuchlich; südlich und östlich davon gelten eigene Namen — und teils eigene Regeln.
| Region | Begriff | Besonderheit |
|---|---|---|
| Deutschland, allgemein | Schorle, Weinschorle | meist 1:1 gemischt |
| Pfalz | der Schorle | im Dubbeglas, ein halber Liter |
| Franken, Bayern | Gespritzter | auch „Weinschorle" gebräuchlich |
| Österreich | Gespritzter, G'spritzter, Spritzer | mind. 50 % Wein, mind. 4,5 % vol. |
| Österreich, sehr wasserreich | Sommerspritzer | etwa ein Teil Wein auf drei Teile Wasser |
| Österreich, mit Holunder | Kaiserspritzer | Gespritzter mit Holunderblütensirup |
| Österreich, süß | Almweiß, Liftler | Weißwein mit Almdudler |
Die Herkunft ist bis heute ungeklärt. Gesichert ist nur: „Schorle" ist die verkürzte Form von Schorlemorle, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchsetzte. Als Getränkename taucht Schurlemurle erstmals 1740 im bayerischen Franken auf.
Für die Zeit davor konkurrieren mehrere Erklärungsversuche, von denen keiner belegt ist:
Wer dir eine dieser Varianten als gesicherte Wahrheit verkauft, hat eine Quelle zu wenig gelesen. Als Familienname ist Schorlemorle übrigens schon 1271 im Lüneburgischen belegt — mit dem Getränk hat das nichts zu tun.
Das Dubbeglas ist das Pfälzer Schorleglas: ein robustes Pressglas mit einem halben Liter Inhalt, überzogen mit runden Mulden. Diese Mulden heißen Dubbe — pfälzisch für Tupfen. Ein halber Liter heißt dort ein Schoppen.
Die Form ist konisch, oben weiter als unten. Und die Noppen sind kein Zierrat, sondern Zweck: Auf dem Weinfest hat man fettige Finger — von Bratwurst, von Saumagen. Die Dubbe geben dem Glas auch dann noch Halt.
Über den Ursprung gibt es Überlieferungen, aber keine Gewissheit. Eine Legende schreibt die Erfindung Dürkheimer Metzgern zu, denen bei Schlachtfesten die glatten Weinstangen aus den Händen rutschten. Bei Ausgrabungen in Gönnheim fand sich zudem ein Glas aus dem 4. Jahrhundert mit aufgesetzten Noppen, römischen Ursprungs. Ob eine Linie von dort zum heutigen Dubbeglas führt, ist offen.
Unstrittig ist die Rolle: Das Dubbeglas gilt als inoffizielles Symbol pfälzischer Lebensart — auf Postkarten, auf Festlogos, in jeder Hand.
Beim üblichen Verhältnis 1:1 etwa die Hälfte. Ein halber Liter Schorle enthält damit rund einen Viertelliter Wein. In Österreich schreibt das Gesetz für den Gespritzten mindestens 50 % Wein und mindestens 4,5 % vol. vor.
Inhaltlich keiner — es sind regionale Namen für dieselbe Sache. „Schorle" ist in Deutschland gebräuchlich, „Gespritzter" in Österreich und Teilen Bayerns und Frankens.
Damit es nicht aus fettigen Fingern rutscht. Auf dem Weinfest isst man mit der einen Hand, das Glas hält die andere.
In der Pfalz der Schorle, im übrigen deutschen Sprachraum meist die Schorle. Beides ist regional korrekt.
Dasselbe Prinzip, anderes Ausgangsgetränk: Apfelsaft statt Wein, jeweils mit Sprudelwasser. Apfelschorle ist alkoholfrei.
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